Über uns
Der Posaunenverband vereint die Posaunenchöre der lutherischen Gemeinden im südlichen Afrika. Seit 1924 blasen wir zur Ehre Gottes: im Sonntagsgottesdienst, an Festtagen, bei Beerdigungen und auf unseren Posaunenfesten. Unsere Chöre sind vielfältig, ländlich und städtisch, mit Wurzeln in Deutschland und in Südafrika. In einem sind wir uns einig: Das Lob Gottes steht im Mittelpunkt, und unsere Chöre haben ihren Platz im Gottesdienst der Gemeinde.
Wurzeln in Hermannsburg
Unsere Geschichte beginnt in der Lüneburger Heide. 1849 rief Ludwig Harms seinen Bruder Theodor als Leiter des Missionsseminars nach Hermannsburg. Theodor Harms, der „Vater“ der Posaunenmusik in Norddeutschland, gründete dort mit seinen Zöglingen einen Posaunenchor. Die ersten Instrumente kamen von Menschen, die in der Erweckung zum Glauben gefunden hatten und nicht mehr zum Tanz aufspielten.
Als Hermannsburger Missionare und Kolonisten 1854 mit dem Segelschiff „Kandaze“ in Port Natal, dem heutigen Durban, ankamen, klang vom Schiff ein Bläserchoral herüber. Der Berliner Missionar Posselt wurde darauf aufmerksam, kam an Bord und gewann die Hermannsburger für den Dienst unter den Zulu. So hat die Posaunenmusik dazu beigetragen, dass die Hermannsburger Mission ihre Arbeit in Natal aufnahm. Von Neu-Hermannsburg aus bauten die Missionare die Zulu-Mission auf und gründeten zugleich deutsche lutherische Gemeinden mit Kirche und Schule.
Die Missionare brachten ihre Instrumente mit und lehrten Zulu- und Tswana-Christen das Blasen. So entstanden auf afrikanischem Boden von Anfang an Chöre, zuerst wohl in Bethanien bei Rustenburg unter Missionar Behrens, später in Ehlanzeni, Müden und Nazareth. Mit den deutschen Siedlergemeinden in Natal und Transvaal wuchsen dann auch weitere Posaunenchöre.
Lange arbeiteten die Chöre für sich allein. Den Anstoß zur Gemeinschaft gab das 75. Jubiläum der Hermannsburger Mission. Am 28. Oktober 1924 bliesen in Hermannsburg (Natal) die Chöre aus Hermannsburg, Verden, Wartburg und Neu-Hannover gemeinsam, zusammen 32 Bläser. An diesem Tag wurde der „Posaunenverband der Hermannsburger Synode“ gegründet, unter der Leitung von Missionar Otto Dedekind. 1926 folgte in Moorleigh das erste Posaunenfest.
For many years the choirs worked alone. The 75th anniversary of the Hermannsburg Mission brought them together. On 28 October 1924, the choirs of Hermannsburg, Verden, Wartburg and New Hanover, 32 players in all, played together at Hermannsburg in Natal. On that day the “Posaunenverband der Hermannsburger Synode” was founded, led by Missionary Otto Dedekind. The first brass festival followed at Moorleigh in 1926.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Pastor Reinhard Drews den Verband neu zusammen, danach prägte Walter Dedekind ihn über zwei Jahrzehnte. 1966 erhielt der Verband seine Verfassung und führte die einheitliche Kuhlo-Griffweise ein; 1968 kamen rund 400 Bläser zusammen. Die enge Verbindung zur Posaunenarbeit der Hannoverschen Landeskirche und zum Posaunenwerk in Deutschland besteht bis heute.
Mitten in der Zeit der Apartheid fand in Pietermaritzburg das erste gemeinsame Posaunenfest mit Bläsern aus den Schwesterkirchen statt, darunter der Herrnhuter Chor aus Genadendal. Seitdem wächst die Gemeinschaft mit den Chören der lutherischen Kirchen im südlichen Afrika. So schließt sich ein Kreis, der auf den Missionsstationen begann.
Heute ist unser Verband der Posaunenverband der Northeastern Evangelical Lutheran Church in South Africa (NELCSA). Der Verbandsrat leitet die Arbeit, die Vertreterversammlung der Chöre berät die gemeinsamen Anliegen, und die Chöre sind in den Kreisen Nord, Mitte und Süd verbunden. Neben den Allgemeinen Posaunenfesten feiern die Kreise eigene Kreisposaunenfeste, 2023 etwa in Bethanien, Braunschweig und Kempton Park. Der Posaunenchor Braunschweig feierte 2022 sein 100-jähriges Bestehen.
Die Ausbildung von Bläsern und Chorleitern hat seit den Besuchen der Hannoverschen Kantoren Friedrich Meyer (1953) und Hans Jürgen Lange (1964) einen hohen Stellenwert. Ein Schulungswart im Verbandsrat plant Lehrgänge für Anfängerbläserlehrer und Chorleiter, damit alle Chöre ein gemeinsames Niveau halten und neue Literatur spielen können. In der D-Ausbildung lernen angehende Chorleiter aus mehreren Kirchen gemeinsam; der Kurs 2023 und 2024 hatte zwölf Teilnehmende aus BBSA, FELSISA und NELCSA.
Aus der Gemeinschaft mit anderen Kirchen wuchs ein Dachverband, die Evangelical Brass Band Associations of Southern Africa (EBBASA). Treibende Kraft war Posaunenwart Randolf Drews, angeregt durch den Evangelischen Posaunendienst in Deutschland und Landesposaunenwart Günther Marstatt. Alle fünf Jahre richtet ein Mitgliedsverband ein gemeinsames Fest aus: 2010 in Port Elizabeth, 2015 in Kapstadt. Das für 2020 geplante Fest fiel der Pandemie zum Opfer und fand im September 2025 in Johannesburg statt. Rund 400 Bläserinnen und Bläser aus der BBSA (West- und Ostkap), aus Namibia, Botswana, FELSISA, NELCSA und aus Gemeinden der ELCSA musizierten dort gemeinsam.
Auch die Verbindung nach Deutschland lebt weiter. Unser Posaunenwart nimmt an den Tagungen der Landesposaunenwarte teil, Gäste wie Traugott und Gesine Fünfgeld proben mit unseren Chören und gestalten Bläsergottesdienste, und im Mai 2024 reisten rund 60 Bläser und Gäste zum Deutschen Evangelischen Posaunentag nach Hamburg, wie schon 2008 und 2016.
2024 feierte der Posaunenverband sein 100-jähriges Bestehen mit einem Posaunenfest in Hermannsburg unter dem Motto „Da ist Platz für dich“. Hermannsburg in Deutschland und Hermannsburg in Südafrika verbindet seit 175 Jahren eine gemeinsame Mission: das Wort Gottes in die Welt zu tragen, mit Worten und mit Musik.
Darin liegt bis heute unser Auftrag. Wir blasen nicht für uns selbst, sondern im Dienst an Christus: im Gottesdienst der Gemeinde, am Grab, im Altersheim und auf der Straße. Unsere Musik soll Menschen für Gott gewinnen und jedem zeigen, dass bei ihm Platz ist für alle, die ihn suchen. Was 1854 mit einem Choral auf der „Kandaze“ begann, führen wir mit Freude fort: Christus dienen mit Musik.